Textile Kunst im Magazin Arsprototo — Fotostrecke von VIERZIG A

Tief in der Brandenburgischen Prignitz, fernab jeder Großstadt und schon fast in Mecklenburg-Vorpommern liegt der kleine Ort Meyenburg. Das dortige Schloss ist eines der wichtigsten Baudenkmäler der Region. Die Anlage beherbergt neben einer Bibliothek und dem Schlossmuseum auch das Modemuseum Schloss Meyenburg. Teile der wahrhaft riesigen Privatsammlung der Modejournalistin und Designerin Josefine Edle von Krepl befinden sich hier.

Mehr als 3.000 Säcke und hunderte Kartons, verteilt auf viele private Depots, soll die gesamte Sammlung umfassen. Etwa die Hälfte davon hat die Stadt Meyenburg u. a. mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder angekauft. Heute kümmert sich der Trägerverein Modemuseum Schloss Meyenburg e. V. um die in öffentlicher Hand befindliche Sammlung. Mit dem Fokus auf Damenmode von der Zeit um 1900 bis in die 1970er Jahre, finden sich vorwiegend Kleider und Modeaccessoires im Bestand des Museums.

Zwar mag man mir getrost ein oftmals mangelndes Modebewusstsein vorwerfen, jedoch war ich sofort von der Bandbreite und der handwerklichen Qualität der Stücke gefesselt.
Gelernt habe ich in Meyenburg sehr anschaulich u. a., dass Gesellschaft Mode formt. Besonders der Bruch zwischen der aufwändigen, hoch geschlossenen und bis auf den Boden reichenden Mode aus der Zeit um 1900 und den Kleidern der 20er Jahre zeichnet sich scharf ab. Hier wird sicher auch der gesellschaftlich-industrielle Umbruch und der Glaube an den technischen Fortschritt der 20er Jahre deutlich und spiegelt sich unmittelbar in der Gestaltung wider. Und natürlich lassen sich in der über zwei Etagen reichenden Ausstellung auch die gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen der 40er, 50er und 70er Jahre ablesen.

Wünschen würde ich mir, dass sich die Präsentation stärker, klarer auf diese Aspekte und auf eine unverstellte Wirkung der Mode fokussiert.
Bisweilen spürt man in der Ausstellung übrigens, dass Textilien aus konservatorischer Sicht eine Herausforderung sind. Viel Zeit und Mühe werden nötig sein, um den textilen Schatz für möglichst viele Generationen zu erhalten.

Der Blick auf die Kultur der weiblichen Mode eines dreiviertel Jahrhunderts hat auf mich eine große Faszination ausgeübt. Im Rahmen meiner Arbeit bin ich den Objekten mit der gebotenen Vorsicht recht nahe gekommen. Insofern hatte ich das Privileg, viele Details entdecken und darüber hinaus viel über Mode und Textilien lernen zu können. Unter anderem auch aus diesen Gründen liebe ich meine Arbeit.

Nach Meyenburg gekommen bin ich im Auftrag der Kulturstiftung der Länder, um für das Titelthema Textile Kunst der Ausgabe 3.2017 des Magazins Arsprototo eine Bildstrecke zu fotografieren. Den ganzen Artikel bzw. das ganze Heft finden Sie hier: PDF, ca. 5 MB | Recherchiert und geschrieben hat den Beitrag Ingeborg Harms. Sie ist Professorin für Designtheorie an der Universität der Künste Berlin, Vogue-Autorin und Berlin-Kolumnistin der Zeit. | In Arsprototo präsentiert die Kulturstiftung der Länder vierteljährlich u. a. die geglückten Erwerbungen deutscher Museen, Bibliotheken und Archive und berichtet über die Geschichten hinter diesen Akquisitionen. Zur Internetseite des Magazins/der Stiftung geht’s hier: www.kulturstiftung.de

Das Modemuseum werde ich zusammen mit meiner Familie ganz sicher wieder besuchen. Einen Termin haben wir schon fest im Auge.

Ulrich Lange

Link zum Museum: www.modemuseum-schloss-meyenburg.de

 

TIPPS

Übernachten lässt sich in charmanter Umgebung und dazu sehr preiswert bei Michael Arbogast im Gutshaus Frehne. Im großen Salon gibt es einen guten Bestand an Musikinstrumenten bis hin zum Flügel. Ich glaube auch, dass der Besitzer einem gemeinsamen Musizieren aufgeschlossen gegenüber steht. Haus und unmittelbare Umgebung sind äußerst reizvoll. Sogar Pferde fehlen nicht. | www.michael-arbogast.de

Für Gartenfreunde und Lehmbauinteresserte: Noch ein Stückchen weiter, kann ich den Besuch des Wangeliner Gartens empfehlen. Neun thematische Abteilungen Gliedern das große Areal. Den größten Bereich nehmen dabei Heilkräuter ein. Bemerkenswert sind die diversen Lehmhäuser und die Angebote rund um das Bauen mit diesem Werkstoff. Der Garten wird von einem Verein mit dem etwas sperrigen Namen Verein zur Förderung ökologisch-ökonomisch angemessener Lebensverhältnisse westlich des Plauer Sees e. V. bewirtschaften und getragen.
Im Wangeliner Garten gibt es ein reizvolles Cafe und einen sehr guten Spielplatz. Auch vielfältige Übernachtungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung. Kurz und gut: Ein wunderbarer, erlebenswerter Ort. | www.wangeliner-garten.de

 

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