Szene 3 – Glaubenssache (Herrnhuter, Juden)

Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft – Erste Brandenburgische Landesausstellung, Schloss Doberlug, 2014, Szene 3 – Glaubenssache

Szene 3 – Glaubenssache (Herrnhuter, Juden) | Sachsen ist das Mutterland der Reformation. Dies begründet den sächsischen Anspruch, vornehmster evangelischer Reichsstand zu sein. Zugleich verpflichtet es zum Eintreten für die evangelische Sache. Im Corpus Evangelicorum, der Vertretung der evangelischen Reichsstände auf dem Reichstag, führt Sachsen den prestigeträchtigen Vorsitz. | Doch Brandenburg-Preußen macht Sachsen diese Führungs­rolle streitig. Neue Nahrung erhält die Konkur­renz, als der sächsische Kurfürst 1697 Katholik wird, um die Krone Polens zu erlangen. Auch wenn der Vorsitz im Corpus Evangelicorum de facto bei Sachsen verbleibt, wächst damit die Bedeutung des ehrgeizigen preußischen Nachbarn, dessen Herrscher im Übrigen schon seit Anfang des 17. Jahrhunderts zu den Reformierten zählen. Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) stilisiert sich sogar der religiös indifferente Friedrich II. von Preußen zum Schutzherrn der Protestanten wider die Allianz der katholischen Dynastien in Österreich, Frankreich und Sachsen. Am Ende des 18. Jahrhunderts schließlich gilt Preußen als Haupt des protestantischen Deutschlands. | Und die preußisch-sächsischen Gemeinsamkeiten? Auch wenn in Brandenburg-Preußen wie in Sachsen die Herrscher den Glauben wechseln – ihre Untertanen bleiben lutherisch.

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